Geschicht der Hängematte

Die Geschichte der Hängematte

Trotz des tropischen Klimas in Afrika, Indonesien, Indien und Ozeanien, haben nur die Indianer Mittel- und Südamerikas das „Träumen in der Schwebe“ erfunden. Doch selbst dort war die Hängematte nicht überall bekannt.

„… han inventado los idios el dormir colgados el el aire, sobre una red“ („erfunden haben die Indianer das Schlafen in der Luft schwebend in einem Netze“ ), stellte schon 1741 der Jesuitenpater José Gumilla fest, der 20 Jahre im Orinoco-Gebiet zugebracht hatte.

 
Goldene Votivhängematte heute in Kolumbien

Die Votivhängematte kann heute im Museo de Oro in Bogotá besichtigt werden.

Über Alter und Herkunft der Hängematte können nur Vermutungen angestellt werden. Der einzige direkte Hinweise auf Hängematten vor der Zeit Kolumbus‘, ist die aus Golddraht bestehende Votivhängematte aus Kolumbien (Datierung: 700-1500 n.Chr).

Keramikgefäß Guanacaste

Auf einem Keramikgefäß aus Guanacaste (Costa Rica, 0-500 n.Chr.) sieht man im Relief eine Frau mit Kind in einer Hängematte.

Weitere Hinweise sind nur in indirekter Form vorhanden, etwa in Form von Abdrücken auf Keramik, die das Flechtmuster einer Hängematte zeigen, weil diese für Töpfer oft als Unterlage dienten. Bildliche Darstellungen von Hängematten auf Tongefäßen sind sehr selten.

Tongefäß mit Maya in Hängematte, ausgeploster mit Leopardenfell

Tongefäß mit Maya in Hängematte, ausgepolstert mit Leopardenfell

In einer weiteren zylindrischen Keramik aus Tabasco, Mexiko 600-900 n.Chr. (heute im Museo Antropología, Villahermosa, Mexiko zu sehen), ist eine hochrangige Persönlichkeit in einer mit Jaguarfell ausgekleideten Hängematte zu sehen. Offensichtlich hielten die adeligen Maya in Hängematten Hof und wurden auch darin, z.B auf Kriegszügen, transportiert.

Hängematten verrotten, deshalb gibt es auch keine archäologischen Funde. Alle vorspanischen Darstellungen zeigen die Hängematte eher als Transportmittel oder Prestigeobjekt der Hochkulturen und nicht als Schlafstätte.

Seefahrer nach Kolumbus, Reisende, Missionare, Beamte und Abenteurer erwähnen die Hängmatte immer wieder zusammen mit anderen Merkwürdigkeiten des südamerkanischen Kontinents. Nur mit der Beschreibung taten sie sich ein wenig schwer. So vergleicht sie der Zeitgenosse und Freund von Kolumbus, Barolomé mit einer Schleuder: „Die Betten, in denen sie schliefen, die sie sie hamacas nannten, waren von der Form einer Schleuder … und sie binden sie an je einem Pfosten, von einem zum anderen und sie bleiben so in der Luft hängen und so legen sie sich darin nieder, es ist ein gutes Bett und sauber, in einer Gegend wo es nicht kalt ist … und sie wiegt keine acht Pfund und man kann sie unter dem Arm forttragen. Für unterwegs schließlich ist sie sehr geeignet.“

Die genauen Ursprünge der Hängematte verlaufen sich im Dunkeln. Man weiß nur, dass sie von Völkern in Mittel und Südamerika als Schlafgelegenheit verwendet wurde, als die Europäer vor 500 Jahren nach Amerika kamen. Sowohl den Inkas als auch den Mayas wird die Erfindung jeweils zugeschrieben.       Ursprünglich wurde ein Netz verwendet. Dieses konnte man am Tag zum Fischen und bei Nacht zum Schlafen gebrauchen.

Hängematten wurden später auch für Kinder in den Schlafsälen der Armenhäuser verwendet – um Platz zu sparen. In der Seefahrt und in Gefängnissen wurden die Matten, ebenfalls aus platzsparenden Gründen, als Schlafmöglichkeiten eingeführt.

Die breite Masse in Europa und den USA kennt die Hängematte heute als Outdoor-Entspannungs-Möbel, wie es das typische Bild einer Hängematte zwischen zwei Palmen vermittelt.

Dahingegen verwenden weit über 100 Millionen Menschen die Hängematte nach wie vor als Sitzgelegenheit und Schlafstätte; vor allem in Lateinamerika, Afrika sowie Südost-Asien.

(Quelle: Die Welt der Hängematte, Josef Köpf und Annemarie Seiler-Baldinger)

Hängematten in der Seefahrt

Am Ende des 16. Jhs. war die Hängematte in die europäische Marine integriert. Sie wurde im Französischen auch als „lict de matelo“ oder „branle“ bezeichnet.

Die Seefahrer fanden dieses Prinzip praktisch. Und fertigten sich aus Segeltuch Hängematten an, um den Wellengang auf See auszugleichen. Da auf Schiffen der Platz begrenzt war, legten sie sich nicht diagonal wie die Südamerikaner in die Matte, sondern der Länge nach. Da man so nicht mit dem Rücken die Matte straffen konnte, wurden Stäbe an den Enden eingeführt, um eine künstliche Straffung zu erzeugen. So kam es, dass die Hängematten in Europa ganz anders aussahen und verwendet wurden als es ursprünglich vorgesehen war.

Noch 1904 wurde in Meyers Großem Konversationslexikon die Hängematte als „hängendes Bett der Kriegsschiffmatrosen“ definiert, wobei man betont: „eine gut verschnürte Hängematte dient auch als Rettungsmittel, da sie stundenlang schwimmfähig ist“.

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